Benvenuti in Sicilia! Fina Vini – das Familienweingut bei Marsala

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Benvenuti in Sicilia!

Es ist warm, fast schon zu warm – August in Sizilien heißt:
Sonne, Hitze und Meer, zumindest als Tourist.

Für die Familie Fina vom gleichnamigen Weingut sieht der August anders aus.
Für Sergio, Marco und Bruno Fina beginnt jetzt die heiße Phase des Jahres, die Traubenlese.
Unter der Sonne Siziliens müssen die Trauben in den Keller gebracht werden, ohne dabei zu heiß zu werden – bei über 40°C im Schatten kein leichtes Unterfangen.
Genau aus diesem Grund sieht man in den Weinbergen der Familie Fina auch ab 12 Uhr mittags alles stillstehen; und das liegt nicht an einer ausgedehnten Mittagspause oder Siesta.

Der Lesebeginn ist mitten in der Nacht, wenn es noch kühl und dunkel ist.
Dadurch wird verhindert, dass die Trauben zu heiß werden und die natürlich auf den Schalen vorkommenden Hefen bereits im Weinberg zu gären beginnen.
Dank diesem Qualitätsdenken der Familie Fina behalten selbst die Weißweine ihre feinen Fruchtaromen, die bei einer vorzeitigen Gärung im Weinberg verloren gehen könnten.
Alle Weißweine werden kaltvergoren, bei ca. 14°C, um die Fruchtnoten zu fördern.
Wären die Trauben also bei der Ankunft im Keller zu heiß, müsste man sie kühlen, was wiederum viel Energie kosten würde. Daher lohnt sich auch das frühe Aufstehen für die Familie Fina.
Selbst die 2015er, die sehr viel Sonne abbekommen haben, sind sehr duftig.

Sizilien war in den letzten 40 Jahren eine sich ständig wandelnde Weinbauregion.
Dank dem Marsala, einem sizilianischen Süßwein bzw. Likörwein, war Sizilien schon seit Ende des 17. Jahrhunderts für seine Weine international bekannt. Dem Marsala ist es auch geschuldet, dass bis heute noch mehr Rebflächen mit weißen Sorten bestockt sind als mit roten Rebsorten.

Aber heute widmen wir uns den Rotweinen, insbesondere dem Nero d’Avola.
Eine der bekanntesten roten Rebsorten, die wie keine andere für Sizilien steht, ist schließlich der Nero d’Avola, der „Schwarze aus Avola“. Fast 19.000ha sind auf Sizilien mit dieser Rebsorte bestockt und immer mehr Spitzenwinzer erzeugen erstklassige Qualitäten aus dem Nero d’Avola.
Wie der Name schon sagt sind die Weine meist tiefdunkel und kräftig.
Die Weine erinnern im Duft oft an reife Weichselkirschen und Brombeeren, gepaart mit feinen Gewürz- und Pfeffernoten.
Oftmals werden die Trauben etwas länger im Weinberg gelassen, somit baut sich die Säure gut ab und es entsteht ein süßlicher Duft der etwas an Konfitüre erinnert.
Hohe Qualitäten zeigen sich meist auch nach Jahren noch sehr fruchtig und aromatisch.

Der Nero d’Avola von Fina erfährt eine kurze Reifung im Holz, dies rundet ihn weiter ab und gibt ihm eine feine Holznote. In der Nase erinnert er an süße Kirschen und Blaubeeren.
Am Gaumen ist er kräftig, mit einer feinen Gewürznote und einem mittellangen Abgang.
Er passt sehr gut zu italienischen Antipasti und zu Pasta mit kräftigen Tomatensoßen oder Pesto Rosso.
Viel Spaß beim probieren.

Hier finden Sie den Fina Nero d’Avola.

Cava – der Schaumwein aus Spanien

Was ist Cava? – für mich einer der besten und am meisten unterschätzten Schaumweine Europas.

Die Geschichte des Cava beginnt im 14. Jahrhundert in Katalonien, Spanien.
In Sant Sadurní d’Anoia, ca. 10km westlich von Barcelona, beginnen zu dieser Zeit mehrere Weingüter mit der Herstellung von Schaumweinen.

Aus dem Jahr 1872 stammen die ersten Aufzeichnungen über die Herstellung nach dem Verfahren der traditionellen Flaschengärung.
Hier wird der Wein ein zweites Mal in der Flasche vergoren und so entsteht die Perlage. Diese Metodo tradicional wird bei der Cava-Herstellung bis heute angewandt. Und obwohl es sich dabei um eine der teuersten und aufwendigsten Herstellungsmethoden handelt, zählt der Cava doch zu den günstigsten Flaschengärungen in Europa.

Dabei läuft am Anfang noch alles wie bei der (Still-)Weinherstellung ab.
Zuerst werden die Trauben geerntet und dann gepresst. Der Most wird dann zu Wein vergoren, dabei entsteht aus dem Zucker der Trauben der Alkohol und CO², doch nach der Gärung ist alles wieder „still“, denn das CO² entweicht bei dieser Gärung.
Für das „Prickeln“ sorgt erst die zweite Gärung.

Jetzt beginnt der aufwendige Teil der Cava-Herstellung, denn der Cava wird in der 2.Gärung nicht im Tank vergoren sondern in der Flasche.
Hierfür kommt der fertige Wein, zusammen mit dem „Licor de tiraje“, einem Gemisch aus Hefe und Zucker, in eine Sektflasche. Diese wird mit einem Kronkorken verschlossen und im Weinkeller liegend eingelagert.
Nun beginnt die 2. Gärung. Die Hefe beginnt wieder mit dem vergären des Zuckers und wandelt ihn in Alkohol und CO², doch diesmal kann das CO² nicht entweichen und bleibt somit in der Flasche.
Am Ende der Gärung werden die Flaschen leicht schräg nach unten in ein Rüttelpult gestellt und immer wieder ein wenig gedreht – aus spanisch „removido“ genannt.
Durch das Drehen rutschen die Hefen und die Trubstoffe langsam richtung Flaschenhals.
Nach einer Wartezeit von mindestens 9 Monaten dürfen die Flaschen degorgiert werden.
Dabei wird der Hals der Flasche kurz eingefroren und die Hefe mit dem Trub schießt beim öffnen der Flasche heraus. An dieser Stelle fällt nun die Entscheidung ob der Cava trocken und mild wird, denn beim Degorgieren geht ein Teil des Inhalts aus der Flasche und muss wieder aufgefüllt werden. Dies kann man mit trockenem Wein machen oder aber mit einer Süßreserve die dem Cava dann eine gewisse Restsüße gibt.

Jährlich werden aktuell ca. 220 Mio. Flaschen hergestellt.

Cava darf aus den folgenden Rebsorten hergestellt werden:

  • weiße Rebsorten: Macabeo, Chardonnay, Xarel.lo, Parellada, Malvasía Blanca
  • Rote Rebsorten: Garnacha tinta, Monastrell, Trepat und Pinot Noir

Noch etwas spannendes am Rande…
In Deutschland bezahlen wir für jede Flasche Schaumwein die sogenannte Sektsteuer mit 1,02€/ netto pro Flasche. Diese wurde bereits 1902, zum Aufbau der kaiserlichen Flotte, eingeführt… und bis heute weiß der deutsche Staat wie gut uns Schaumweine schmecken…

Hier finden Sie den Cava von Masachs.

Château Canon la Gaffelière 1989

Château Canon la Gaffelière 1989 – geöffnet am 25.11.2015

Am 25.11.2015 wanderte eine Flasche Château Canon la Gaffelière 1989 aus dem Weinklimaschrank zur Verkostung – mit mittelmäßigen Erwartungen, muss ich an dieser Stelle zugeben…doch das Ergebnis überzeugte.

Geöffnet, dekantiert und direkt eingeschenkt.

Die Nase ist sofort offen und präsent.
Viel Frucht tritt zum Vorschein, mit Noten von vollreifen Sauerkirschen, Pflaume und etwas Cassis. Dazu kommt noch süße Schokolade.
Der Gaumen trägt die Frucht weiter und umgibt das Ganze mit dezenten und reifen Gerbstoffen, die ihm Dichte geben, aber nicht zu üppig wirken.
Im Abgang zeigt der Canon la Gaffelière 89 noch einen Hauch Tabak und eine leichte Erdigkeit, sogar etwas Trüffel. Ein immernoch spannender Wein. TIME TO DRINK IT!
Jetzt macht er noch richtig Freude.

Fazit: sehr feine Fruchtnoten, immernoch lebendig, sollte aber in den nächsten 1 – 2 Jahren getrunken werden, da die feinen Fruchtnoten dabei sind zu verfliegen.

Glenfiddich – Eine Familiengeschichte

Glenfiddich-DistilleryGlenfiddich – seit 1887 in Familienbesitz

Nach längerer Zeit, war ich dieses Frühjahr mal wieder bei Glenfiddich in Dufftown. Gelegentlich vergisst man bei der Omnipräsenz der Glenfiddich Single Malts, dass es sich trotz der Größe immernoch um einen Familienbetrieb handelt. Und die Geschichte von Glenfiddich und der Familie Grant ist durchaus beeindruckend und fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Ein Traum – geschaffen mit viel Mut, Weitsicht und harter Arbeit.
Gemeinsam mit seinen sieben Söhnen und zwei Töchtern erfüllte sich William Grant 1887 seinen Traum – er baute seine eigene Destillerie in Dufftown.
Noch heute stehen die Gebäude die er damals mit seinen 9 Kindern und einem Steinmetz erbaute. Seine Weitsicht und die seiner Nachkommen, hat dafür gesorgt, dass Glenfiddich bis heute in Familienbesitz geblieben ist.
Doch wie wurde Glenfiddich zu dem was es heute ist? – der am meißten verkaufte Single Malt weltweit.

1909 startete die Welteroberung von Glenfiddich – mit dem Aufbruch von Charles Gordon, dem Schwiegersohn von William Grant, begann eine unglaubliche Erfolgsgeschichte.
Seine Reise dauerte über ein Jahr und als er zurück kam, hatte er 5 Kontinente bereist und Verträge über den Verkauf von Glenfiddich auf jedem Kontinent in der Tasche.

1961 entstand durch den Designer Hans Schleger die weltberühmte Dreikant-Flasche von Glenfiddich, die eines der Erkennungsmerkmale für die Glenfiddich Whiskies ist.
Die drei Kanten stehen für Wasser, Luft und Gerstenmalz, die wichtigsten Zutaten für guten Single Malt.
1963 eroberte Glenfiddich dann als erster Single Malt die Welt und prägte eine ganze Whiskykategorie die uns bis heute fasziniert.

Glenfiddich Still houseÜber 10. Mio. Liter Whisky im Jahr

In diesen Kupfer-Stills entstehen die Malts von Glenfiddich, wobei das nur ein Still-House ist, in einem weiteren stehen nochmal 17 weitere Stills.
Also doch ein Massenprodukt?
Glenfiddich produziert im Jahr über 10 Mio. Liter hochprozentigen Whisky und dennoch hat sich die Destille ihren guten Ruf bewahrt.

Probiert man die Standard-Range von Glenfiddich sucht man gelegentlich nach etwas mehr Tiefe und Aussagekraft, aber die Qualität ist insgesamt auf einem hohen Niveau.
Geht man allerdings etwas weiter und setzt sich mit den älteren Abfüllungen von Glenfiddich auseinander, dann sieht man aus welchem Holz der Glenfiddich Whisky bzw. seine Fässer geschnitzt sind. Dichte, vielschichtige Single Malts die definitiv zur Weltspitze gehören.
Wer dann noch etwas mehr Individualität sucht, der wird bei der Schwester-Distillery von Glenfiddich fündig. Direkt neben Glenfiddich liegt die The Balvenie Distillery, die ebenfalls zur Familie Grant gehört. Hier werden in kleineren Batches besondere Whiskies mit einem ganz eigenen Charakter geschaffen. Besonders die Balvenie Single Barrel sind sehr empfehlenswert für alle Malt-Fans. Aber probieren müssen alle selber – aber Sie werden es nicht bereuen!

Hier gibt es eine Auswahl an Glenfiddich Single Malts

Priorat – the godfather of fullbodied redwines?!

PrioratDOQ Priorat oder Priorato DOCa – was ist richtig?
Auf spanisch heißt diese Weinbauregion Priorato DOCa (DOCa entspricht der höchsten Klassifizierungsstufe in Spanien und steht für „Denominacion de Origen Calificada“).

In Katalonien heißt die Region DOQ Priorat (DOQ = DOCa, ausgeschrieben bedeutet es Denominació d’Origen Qualificada). Beide Namen haben also ihre Richtigkeit.
Aber genug der Namensgeschichte, lasst uns ins Priorat eintauchen.

Das Priorat ist für mich eine der interessantesten Weinbauregionen Spaniens.
Es ist klein, verwinkelt und voller toller Weine!
Auf nur 1917 Hektar sind aktuell in diesem kleinen Gebiet Reben gepflanzt.
Wenn ihr das mit Gebieten wie dem Rioja (ca.62.000ha) vergleicht, seht ihr ziemlich schnell weshalb diese Weine nicht so weit verbreitet sind.
Doch was macht das Priorat so besonders?
Es sind, wer hätte das gedacht, die besonderen Bodenbeschaffenheiten.
Das Priorat ist von Schiefergestein gekennzeichnet.
Hier findet sich auch der Unterschied zu den umliegenden Regionen wie Montsant.
Diese Region setzen aktuell viele mit dem Priorat gleich, doch das ist ein Irrtum.
Die Böden des Montsant sind von Kalkschichten und Granit geprägt und nur in sehr kleinen Bereichen von Schiefer. Das Montsant umschließt zwar das Priorat in weiten Teilen, allerdings sind die Weine nicht gleichzusetzen und auch nicht ihre Qualität.

Die Winzer im Priorat nennen ihren besonderen Schieferboden auch „Llicorella“ und sie wissen genau was ihnen dieser Boden abverlangt.
In den meisten Lagen ist er nur von 10 bis 15cm dicken organischen Erdschichten bedeckt, darunter beginnt schon das Schiefergestein.
Zudem ist ein Großteil der Weinberge im Priorat in Hanglagen mit Steigungen zwischen 15 bis 60%. Dadurch können in den meisten Weinbergen keine Maschinen eingesetzt werden.Dies schlägt sich auch im Preis dieser außergewöhnlichen Weine nieder, aber sie sind den extra Euro auch wert.

Eine Schlüsselrolle für eine gute Weinqualität spielt immer auch der Ertrag pro Rebstock.
Das Priorat setzt hier eine Benchmark im unteren Bereich, denn im Schnitt wird hier nur 1kg Trauben pro Rebstock geerntet. Das entspricht gut der Hälfte der Erntemenge anderer Regionen. ( ca. 3000kg/ha)
Diese kleinen Erträge sind auch dem Klima des Priorat geschuldet.
Da der Boden nur kleine Mengen Wasser speichern kann, wird es der Rebe im Sommer oft zu trocken und sie kann keinen maximalen Ertrag produzieren.
Die positiven Effekte für den Wein sind allerdings deutlich.
Die geringe Menge Wasser sorgt für kleine Beeren, die im Verhältnis zu ihrem Saft relativ viel Beerenhaut haben, in der die wichtigen Farbstoffe und Tannine liegen.
Daher sind die Weine aus dem Priorat auch besonders konzentriert und vollmundig.

Für die Besonderheit der Weine aus dem Priorat sorgen auch die Rebsorten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Weinbaugebieten Spaniens ist das Priorat nicht von Tempranillo dominiert, ganz im Gegenteil, man findet hier eigentlich kaum Tempranillo.
Die wichtigste rote Rebsorte ist die Garnacha Tinta, gefolgt von Mazuelo, Cabernet Sauvignon und Merlot.

Die Garnacha scheint im Priorat genau richtig zu sein.
In den meisten Jahren bringt sie kräftige, körperreiche Weine mit viel Lagerungspotenzial und sattem Fruchtaroma hervor. Dabei sind die Weine kein Mainstream, es sind besondere Tropfen für Genießer. Für Genießer, denen zwar süße Frucht in der Nase gefällt, die am Gaumen aber trotzdem die kräftige Struktur lieben!
Gerade in jungen Jahren haben sie oft relativ kräftige Tannine, dafür bieten sie in der Nase satte Fruchtaromen und eine tolle Komplexität.
Hier vereint sich Kraft und Eleganz, denn die Schieferböden sorgen für eine leichte Mineralität und geben den Weinen ein komplexeres Aromenspiel.
Doch die Aromen müsst ihr selbst entdecken.

Hier findet ihr eine kleine Auswahl befreundeter Prioratwinzer

Weingut Clemens Lang

Once upon a time… Die Geschichte die mich mit dem Weingut C. Lang und der ganzen Familie verbindet begann 2008 als ich mich dort für ein Praktikum bewarb.

Clemens und Carola haben mich damals als Praktikant angestellt und ich durfte direkt im Weinberg starten. Über den Sommer bis hin zum Herbst habe ich viel über Weinbau und die Arbeit auf einem Weingut lernen dürfen, auch wieviel Arbeit in einer Flasche Wein steckt.
Man merkt ziemlich schnell das Weinbau eine interessante und schöne Arbeit ist, aber zugleich auch Landwirtschaft mit der ständigen Abhängigkeit von der Natur, die wir selbst als Kleinstädter allzu oft unterschätzen. Da brach nach 3 Tagen Regen Ende August bei warmen Temperaturen nochmal kurz Stress aus und wir mussten los um die Blätter in der Traubenzone der Rebe zu entfernen, damit die Trauben wieder besser abtrocknen können und keine Fäulnis entsteht.

Als der Herbst näher kam, begann der interessanteste Teil der Arbeit – endlich konnten die Früchte der Weinbergsarbeiten geerntet werden.
Was mich wirklich beeindruckte war die Genauigkeit mit der Clemens an die Lese heranging. Botrytisbefallene Trauben wurden bei der reinen Handlese (keine Maschinenernte) strikt aussortiert.
Diese konsequente Art des Arbeitens zeigt sich auch in der geradlinigen Stilistik der Weine. Sie sind geprägt von klaren Fruchtaromen, untermauert von einer angenehmen Frische. Schon wenn man die Trauben im Weinberg probiert merkt man eines, sie sind knackig, frisch und aromatisch, mit einer angenehmen Säure und all diese Faktoren spiegeln sich auch in den Weinen wider.

Clemens Lang baut alle Weine konsequent durchgegoren und somit komplett trocken aus.
Spielereien mit Restsüße – keine Chance!
Besonders sein Grauburgunder, mit seiner schlanken Art gefällt mir sehr gut und ist ein toller Begleiter im Sommer.
Zum Clemens Lang Grauburgunder

Château Beau-Séjour Bécot 1998

Verkostungsnotizen vom 8. Juni 2015

Am 8. Juni lief der Tag nicht ganz nach Plan und dann auch noch das.
Ich lief an meinen Weinschrank und griff einen unbekannten aber laut Empfehlung vermeintlich guten Rotwein, doch die Realität schlug gnadenlos zu.
Die Flasche war eine mittelschwere Katastrophe und die Laune war im Keller.
Da fing ich an im Weinschrank zu stöbern und entdeckte den Beau-Séjour Bécot 1998.
Die Hoffnung war groß, schließlich ist der Jahrgang 1998 bei Beau-Sejour als einer der guten Jahrgänge in die Geschichte eingegangen. Alles andere passte auch, Füllhöhe perfekt, immer bei mir unter konstanten Temperaturbedingungen gelagert, da sollte nicht allzu viel schief gehen. Und tatsächlich, es wurde sogar besser als erwartet!

Bevor es aber an die Verkostungsnotizen geht, hier noch ein paar Fakten über Château Beau-Séjour Bécot. Das Château liegt im Saint-Émilion, ca. 2,5km südwestlich der gleichnamigen Stadt. Beau-Sejour Becot wurde in seiner Geschichte mehrmals verkauft und umbenannt, seinen heutigen Namen erhielt das Château von Michel Bécot der es 1969 erwarb. Zu seinem Besitz zählte damals auch das Château La Carte und Les Trois Moulins. Diese 3 Châteaux führte er zu einem Château zusammen, was 1985 dazu führte, dass Beau-Sejour Becot vom Premier Grand Cru Classé zum Grand Cru Classé herabgestuft wurde. Becot selbst ging in diesem Jahr in Rente und übergab den Betrieb an seine Söhne. Die Söhne nahmen die Herausforderung an und schafften es 1996, wieder als Premier Grand Cru Classé B eingestuft zu werden.
Die Rebfläche von Beau-Sejour Becot erstreckt sich aktuell auf knapp 17 Hektar und wird vom Merlot dominiert. Knapp 30% der Rebfläche sind mit Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon bestockt.
Die Weine von Beau-Sejour Becot zählen zu den opulenteren und holzbetonteren Weinen im Saint-Emilion. Diesen Stil prägte bereits Michel Bécot der den Holzfasskeller bedeutend ausbaute.

Nun aber zum Wein.
Der Wein war, wie bereits erwähnt, meine letzte Hoffnung in einen sonst komplizierten Tag und kurz nach dem Öffnen und Dekantieren sollte ich auch belohnt werden.

Um nichts zu verpassen schenkte ich direkt aus der Karaffe einen Schluck ins Glas bevor ich die Karaffe zur Seite stellte. Die Nase war von der ersten Minute an beeindruckend.
Die Nase war klar, ohne übermäßige Reifenoten, sondern getragen von Frucht und Holz.
Zuerst zeigten sich Noten von Cassis, dunkler Vollmilchschokolade, etwas Mokka und Brombeere. Eine unglaubliche Fülle an dunklen Beeren gab dieser Beau-Sejour 1998 frei.

Am Gaumen war der erste Eindruck klar geprägt von einer tollen Balance zwischen Kraft und Eleganz. Der Druck am Gaumen war noch da, mit trockenen und präsenten Gerbstoffen, obgleich die Tannine sehr abgerundet wirkten.
Er war saftig und ausgeglichen mit sehr schönen dunklen Fruchtnoten.

Nach einiger Zeit in der Karaffe merkte ich, dass dieser Wein sich auf dem Höhepunkt befindet, aber dort wohl noch etwas bleiben wird, denn die Gerbstoffe und die Säurestruktur halten ihn stabil.

Der Beau-Sejour Becot 1998 kann jetzt getrunken werden und macht viel Freude, bei richtiger Lagerung wird er aber auch noch 2017 gut sein.

Vielen Dank an Familie Bécot für die Rettung meines Abends!

Zum Beau-Sejour Becot 1998

Vieux Château Certan 1989 – Verkostungsnotizen

Diesen Wein habe ich am 18.05.2015 verkostet, aber bevor wir zu den Verkostungsnotizen kommen vielleicht ersteinmal ein paar Informationen zu Vieux Château Certan.
Das Weingut liegt im Pomerol, also auf der rechten Uferseite des Bordeaux. Das Vieux Chateau Certan blickt auf eine über 170 jährige Geschichte zurück.
Während des 19. Jahrhunderts zählte das Chateau zu den besten im Pomerol und konnte diesen Ruf bis Mitte des 20. Jahrhunderts verteidigen.
Heute umfasst Vieux Certan knapp 14 Hektar Rebfläche und produziert jählich ca. 50.000 Flaschen Wein.
Das besondere an Vieux Certan ist die Rebsortenzusammensetzung. Die Weine von Vieux Certan haben einen Cabernet Anteil von bis zu 40% (wobei Cabernet Franc den größeren Teil ausmacht).

Aber nun zur Verkostung.
Die Flasche stammt aus dem Jahr 1989 und lagerte seit dem Kauf in einem Weinklimaschrank bei kontrollierter Temperatur von knapp über 10°C.
Die Weine aus dem Jahrgang 1989 waren bei Vieux Certan ausgezeichnet und erhielten höchste Bewertungen.

Der Vieux Certan 1989 fließt Ziegelrot ins Glas. Der Korken ist bis zur Mitte durchgezogen, blieb aber komplett dicht.

In der Nase zeigt sich der Cabernet Anteil sofort mit Noten von Grüner Paprika, die direkt nach dem Öffnen den größten Teil der wahrgenommen Aromen darstellen. Nach nur wenigen Minuten im Glas gesellen sich Noten von Leder und Cassis dazu, sogar etwas Brombeere ist zu erkennen.

Am Gaumen ist der 1989er direkt nach dem Öffnen extrem weich und ausgereift. Die Tannine sind abgerundet. Noten von Mokka sind zu erkennen und etwas Brett.
Mit dem zweiten Schluck und etwas Zeit im Glas scheinen die Tannine sich nochmal zeigen zu wollen und der Wein baut wieder etwas mehr Druck auf, sogar ein leicht trockener Gerbstoff tritt hervor.

Nach weiteren 10 Minuten im Glas treten die Cassis- und Ledernoten stärker in den Vordergrund. Jetzt ist auch Tabak zu erkennen.

Die Zeit an der Luft und die schnelle Veränderung zeigen, dass der Wein seinem Höhepunkt ziemlich nahe ist, wenn man es als Parabel beschreiben würde, ihn vielleicht sogar überschritten hat und langsam fällt.
Diese Flasche des Vieux Certan bereitete noch viel Freude und war eine interessante geschmackliche Erfahrung.

Meine Einschätzung: Da die Flasche bei knapp 10°C lagerte und dies konstant über die gesamte Zeit, ist davon auszugehen, dass Flaschen die wärmer lagen und somit stärkeren Reifeprozessen ausgesetzt waren, wahrscheinlich über ihrem Zenit sind.

Fazit: Ein toller und eleganter Pomerol, der seinem Ruf gerecht wird.

AnCnoc – eine wirkliche Überraschung

Gordon BruceDa möchte man gar nicht mehr zurück – dachte ich, nachdem ich gemeinsam mit unserem Whiskyclub bei der Distillery Knockdhu in den schottischen Highlands war.

Eines muss man wirklich sagen, diese Destillery ist ein Hit.
Kurz nachdem wir auf dem Hof der Distillery angekommen waren, kam uns Gordon Bruce, der Distillery-Manager von Knockdhu (alias AnCnoc), entgegen und begrüßte uns freudestrahlend.
Wir hatten das Glück und er nahm sich die Zeit und führte uns über eine Stunde lang durch seine „Whisky-Kader-Schmiede“ AnCnoc. Schnell war klar, dass ist keine normale Führung mit jemandem der seinen Text abspult, hier war wirklich zu hören, dass Gordon Bruce mit Herz und Seele bei AnCnoc dabei ist.

Für mich war der Moment bei den Washbacks der interessanteste der Führung.
Man kam hinein und es roch nicht wie so oft nach gärendem Bier, sondern es roch vielmehr fruchtig.
Ich war etwas perplex und fragte Gordon ob er spezielle Hefen einsetzt und das war der Startschuss für die besten Infos dieser Tour. Ab hier war ich begeistert. Er, Gordon Bruce, der als Distillery Manager für den reibungslosen Ablauf und die Verwaltung der Brennerei AnCnoc zuständig ist, fing an die verschiedenen Hefetypen aufzuzählen die er einsetzt.
Sein Kommentar dazu war ungefähr so: „der Whisky entsteht bereits hier, denn während der Gärung entstehen so viele Grundaromen die wir in den fertigen Brand bekommen, dass man heute nicht mehr daran glauben darf, dass Whisky nur durch den Master Distiller und seine Technik beeinflusst werden kann“.
Das Besondere hier, man kann viel reden, aber was ich hier gerochen habe, schmecke ich auch in den Bränden von AnCnoc.
Diese Diskussion über die verschiedenen Hefen mit Gordon hat mich zum Fan seiner Distillery gemacht.
Thank you Gordon for the great time we had while drinking your whisky!

Nachdem wir mit Gordon seinen AnCnoc Peter Arcle Travel Retail Edition probiert hatten,
hab ich mich gleich auf die Suche nach diesem wirklich interessanten NOS Whisky gemacht.
Eines muss man dieser Abfüllung nämlich lassen, sie ist wirklich gut, auch wenn mal wieder auf die Altersangabe verzichtet wurde. Gordon meinte übrigens, die Fässer für diese Abfüllung sind über 6 Jahre alt.

Hier findet ihr die AnCnoc Peter Arcle Travel Retail Edition

 

Wer ist eigentlich dieser „Ron“?

Ron, Rum oder Rhum ist eine der vielseitigsten und interessantesten Spirituosen.
Ähnlich wie Whisky werden die Aromen des Rum zu einem Großteil vom Holzfass bestimmt in dem er reift.
Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es zum Whisky. Es gibt zwei verschiedene Formen der Grundstoffe zur Herstellung. Das wars dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Das Ausgangsprodukt beim Rum ist immer Zuckerrohr, doch einmal in Form von Zuckerrohrsaft, also dem frisch gepressten Zuckerrohr und das andere Mal in Form von Melasse, dem Nebenprodukt der Zuckerherstellung.
Wo man beim Whisky Grain und Malt unterscheidet, könnte man beim Rum die Unterscheidung nach dem Grundprodukt ebenfalls treffen, aber auf dem Etikett findet man diese Angabe selten und sie ist schon gar nicht verpflichtend.
Ob die Qualität des Rums davon abhängt aus welchem der beiden Produkte, also Zuckerrohrsaft oder aus Melasse, er hergestellt wird, dass lasse ich mal dahingestellt. Wichtiger ist meiner Meinung nach die Art der Destillation und die eingesetzte Brenntechnik.

Ähnlich wie bei der Whiskyproduktion setzen manche Hersteller auf Potstills, andere wiederum auf Coffey-Stills( Patent-Stills), wobei diese beim Whisky hauptsächlich für Grain eingesetzt werden. In Schottland habe ich in Gesprächen mit Masterdistillern festgestellt, wie wichtig ihnen die Form ihrer Stills ist. Sie sprachen immer wieder vom großen Einfluss dieser auf das Endprodukt. Und wenn man sich das Ganze genauer anschaut versteht man auch warum.
Nimmt man zum Beispiel einen Glenmorangie, Potstills mit sehr langem, schlankem Hals – leicht, sauber und geradlinig, sind die ersten Attribute die mir einfallen.
Dagegen Glenfarclas, mit seinen breiten, großen Potstills mit kurzem Hals – hier würde ich den Whisky eher als kräftig, strukturierter und mundfüllender bezeichnen.
Ähnlich beim Rum. Flor de Cana zum Beispiel – zum großen Teil in Coffey-Stills gebrannt – wirkt viel leichter als die Produkte von Varela Hermanos aus Panama, die in großen Potstills brennen.
Der Unterschied liegt tatsächlich im Hals der Still begründet. Ist er schmal und lang kommen schwerere Stoffe nicht in den Brand und dieser wirkt somit schlanker, ist der Hals dagegen breit und kurz steigen auch die schweren Teilchen bis in den Kondensator auf und landen somit auch im Rum oder Whisky. Doch probiert es einfach selbst aus.
Bald erfahrt ihr mehr über die Destillerien und ihre verschiedenen Stills und welche Stilistiken diese hervorbringen.

Soviel zur Einführung zum Thema Rum oder Ron. Bald gibts mehr.